Der heilige Bischof Nikolaus
und die wunderbare Kornvermehrung

Auch 2017 wieder in der Garage, dem "Stall" von Sankt Michael





Der Weg zur Krippe führt auch in diesem Jahr wieder zum 'Stall' hinter der Kirche.






Die Krippe:

Die funkelnagelneue Kirche, die in Licht und strahlendem Weiß glänzt, erscheint noch nicht wieder als ein geeigneter Ort für die traditionsreiche Krippe von Sankt Michael. Wie war das doch noch mit der Herbergssuche in Bethlehem? Im Endergebnis spielte sich das Entscheidende draußen vor der Stadt in einem Stall ab. Da bietet sich denn auch heute eine Garage auf dem Innenhof der Kirche an. Ganz viele Strohballen und eine Fülle von Heu lassen die Garage zum 'Stall' werden und verströmen sogar Stallgeruch. Zudem hat man dort das Gefühl,
nicht vor der Krippe, als vielmehr in der Krippe zu stehen. Irgendwie fügt sich selbst die Niklausszene in dieses Ambiente ein. Blaues Tuch deutet sogar den 'Hafen' an, in den das Getreideschiff einläuft.

Die Legende:

Vor langer Zeit, als der heilige Nikolaus Bischof von Myra war, gab es im ganzen Land eine große Hungersnot. Im Sommer war es sehr heiß gewesen, und während der ganzen Zeit war kein Regen gefallen. So wuchs nur wenig Getreide und das Wenige wurde noch von der glühenden Sonne verbrannt.


All ihre Vorräte hatten die Menschen inzwischen aufgegessen - selbst das Saatgut für das nächste Jahr war zu Brot verarbeitet worden. Nun gab es gar nichts mehr zu essen. Die Kinder litten am meisten unter der großen Not.

Eines Tages verbreitete sich wie ein Lauffeuer die Kunde, im Hafen seien Schiffe vor Anker gegangen, und die wären randvoll mit Getreide beladen. In Scharen strömten die Leute zum Hafen und freuten sich schon darauf, von diesem Getreide etwas kaufen zu können. Aber der Kapitän der Schiffe rückte nichts heraus. Im Gegenteil: Er postierte bewaffnete Soldaten rund um die Schiffe. Die vertrieben all die Leute, denen der Hunger aus den Augen schaute.

Davon hörte nun auch Bischof Nikolaus. Schleunigst machte er sich auf den Weg zum Hafen, um den Kapitän umzustimmen und für die Menschen der Stadt Korn zu bekommen, damit sie Brot backen könnten. Der Kapitän hörte dem Bischof zwar zu; aber er ließ sich nicht erweichen. „Die Ladung der Schiffe ist für den Kaiser in Konstantinopel bestimmt," sagte er, „und alles ist bis auf‘s Gramm genau abgewogen. Wenn auch nur das Geringste fehlt, werde ich mit der ganzen Besatzung hart bestraft. Es tut mir leid. Ich kann euch beim besten Willen nicht helfen."

Einen Augenblick nur überlegte Bischof Nikolaus, dann sagte er: „Von jedem Schiff gebt mir für die Leute von Myra hundert Scheffel. Ihr werdet sehen: Wenn ihr in Konstantinopel ankommt, fehlt nichts, auch nicht ein Gramm am Gewicht eurer Ladung. Und selbstverständlich werdet ihr nicht bestraft werden." So überzeugend und glaubwürdig waren die Worte des Bischofs, daß der Kapitän ihm Vertrauen schenkte und je hundert Scheffel von jedem der Schiffe abladen ließ.

In Myra brach Jubel aus: Endlich sollte die Not ein Ende haben. Überschwenglich bedankten sich die Leute bei Bischof Nikolaus und priesen mit lauter Stimme Gott.

Die Schiffe aber legten bald wieder ab, erreichten in kurzer Zeit Konstantinopel und fanden alles so, wie Nikolaus es versprochen hatte: Es fehlte nichts von ihrer Ladung.

In Myra jedoch verteilte Nikolaus das Getreide gerecht an alle. Und auf wunderbare Weise reichte es für zwei Jahre aus und langte auch noch zur Aussaat.


Das Zeugnis der Heiligen Schrift:

Aus dem Evangelium nach Matthäus:
(14, 13-21; siehe auch: Mk. 6,31-44; Lk. 9,10-17; Joh. 6,1-13

Jesus fuhr er mit dem Boot in eine einsame Gegend, um allein zu sein. Aber die Leute in den Städten hörten davon und gingen ihm zu Fuß nach. Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen und heilte die Kranken, die bei ihnen waren.

Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen, und es ist schon spät geworden. Schick doch die Menschen weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können. Jesus antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische bei uns. Darauf antwortete er: Bringt sie her! Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen. Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten, und alle aßen und wurden satt. Als die Jünger die übriggebliebenen Brotstücke einsammelten, wurden zwölf Körbe voll.  Es waren etwa fünftausend Männer, die an dem Mahl teilnahmen, dazu noch Frauen und Kinder.


Die Krippenszene:

Den Hintergrund bildet die Stadt Myra. Am Strand vor der Stadt  haben sich beim Schiffsanleger viele Menschen versammelt. Der Hunger und die Hoffnung auf Brotgetreide hat sie dorthin getrieben - hat doch gerade ein mit Korn beladenes Schiff auf dem Weg nach Konstantinopel dort festgemacht. Bischof Nikolaus verhandelt mit dem Schiffsführer. Wird der wenigstens einen Teil der Ladung für die hungernden Menschen zurücklassen?

 
Nikolauskrippe 2009

Erklärung:

"Wer dem Armen gibt, hat keinen Mangel, wer seine Augen verschließt, wird viel verflucht," heißt es im Buch der Sprüche (28,27). Im Grunde überzeugt Bischof Nikolaus den Kapitän vom Wahrheitsgehalt dieser alten biblischen Weisheit. Die griechische Nikolaus-Legende zielt genau auf diese Erkenntnis hin: Wer von seinem Überfluß abgibt, erleidet keinen Schaden. Es fehlt ihm an nichts.

Die Erzählungen des Evangeliums von der Speigung der Fünftausend meinen letztlich nichts anderes: Wenn einer anfängt zu teilen - nach dem Johannesevangelium ist das bezeichnender Weise ein Kind, ein kleiner Junge - reicht es für alle. Das Evangelium geht sogar noch einen Schritt weiter: Während die Legende sagt, bei der Ankunft der Schiffe in Konstantinopel habe auch nicht ein Gramm der Ladung gefehlt, berichtet das Evangelium, die Jünger hätten - nachdem alle satt waren - noch zwölf Körbe übrig gebliebener Brotstücke eingesammelt.

Um dieser Botschaft willen ist Bischof Nikolaus eine der großen Gestalten des Advent. In dieser Botschaft liegt für uns heute der Schlüssel für die Lösung der sozialen Probleme einer Gesellschaft, die es zuläßt, daß die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergeht. In der Nikolaus-Legende können wir auch den Lösungsansatz finden für die Überwindung des Hungers in der Welt.